Verfassungsschutz und „Stille SMS“

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Eine zweifelhafte Ortungstechnik von Handys wurde vom Verfassungsschutz im letzten Jahr offenkundig deutlich ausgeweitet. So wurden von der Behörde Medienberichten zufolge 195.000 „stille SMS“ verschickt. Die stetig anwachsende Zahl Dschihad-Reisender ist offenbar der Grund dafür.

Um verdächtige Personen besser überwachen zu können, macht der Verfassungsschutz wahrscheinlich immer öfter Gebrauch von einer heimlichen Ortung von Handys. So berichteten Medien, dass allein im 2.Halbjahr 2014 der deutsche Inlandsgeheimdienst ca. 142.000 der sogenannten „stillen SMS“ an die Handys von verdächtigen Personen versendete. Damit hätte sich die Anzahl gegenüber dem ersten Halbjahr verdreifacht, denn damals verschickten die Ermittler rund 53.000 Nachrichten.

Dies hat die Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten der Linkspartei Jan Korte und Andrej Hunko an die Bundesregierung ergeben. Daraus zitieren die Nachrichtenagentur Reuters und das Nachrichtenmagazin der „Spiegel“. Als Grund für das schlagartige Anwachsen der SMS- Ortung beim Verfassungsschutz wurde die „stetig anwachsende Anzahl von Dschihadreisenden aus und nach Irak und Syrien“ genannt.

Weniger „stille SMS“ verschicken jedoch die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA). Letzteres verschickte ca. 27.000 SMS-Überwachungen, im 1. Halbjahr waren es 35.000. Auch die Bundespolizei schraubte ihre Aktivitäten mit ca. 39.500, im 1.Halbjahr 70.000, zurück.

Weil mit „stillen SMS“ Telefone geortet sowie Bewegungsprofile erzeugt werden können, sind sie umstritten. Die SMS erscheint weder auf dem Bildschirm des Handys noch wird ein akustisches Signal ausgelöst. Allerdings wird der Eingang einer SMS vom Telefon bestätigt.

Hunko, Politiker der Linken, sagte, dass das Spitzeln der Geheimdienste das Vertrauen in die Privatsphäre der digitalen Medien schädige. Zum Telefonieren seien Mobiltelefone da, aber nicht dazu, heimlich deren Besitzer zu verfolgen. Auch sein Kollege Korte warnt vor einer zunehmenden und schwer kontrollierbaren Überwachung durch Sicherheitsbehörden und Geheimdienste. Für die IT-Sicherheit stellt dies derzeit die größte Gefahr dar.

 

 

Von: Stefan Lübker - Frei-Simser.de
Veröffentlicht am: 24.03.2015 - 19:55 Uhr
Kategorie: SMS News

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