Android ist längst erledigt

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Eine schwere Sicherheitslücke bedroht etwa eine Milliarde Android-Geräte. Samsung und Google geloben Besserung, jedoch das Grundproblem lässt sich nicht beheben. Android ist schon lange kaputt.

Ein neues Schreckgespenst, genannt Stagefright, bedroht seit Ende Juli die Android-Nutzer. Der Name verdeckt eine empfindliche Sicherheitslücke. Kriminelle sind damit in der Lage, ein fremdes Smartphone mit Hilfe einer einfachen MMS vollständig zu übernehmen. Weltweit sind angeblich ca. eine Milliarde Geräte betroffen. Eine unvorstellbare Menge.

Inzwischen wollen Samsung und Google zukünftig regelmäßige Updates anbieten. Die hauseigenen Nexus-Geräte werden von Google aktualisiert, Samsung versorgt seine Galaxy-Reihe. Das ist zwar lobenswert, jedoch nur von äußerst geringer Wirkung. Denn das Grundproblem lässt sich von beiden Herstellern nicht mehr beheben. Nach umfangreicher Analyse des Tech-Journalisten Ron Amadeo schreibt er im Technikportal „Ars Technica“, dass Android längst außer Kontrolle geraten sei.

Mit Android verfolgt Google im Vergleich zu Apple eine völlig andere Strategie. Der iPhone-Hersteller lässt sein mobiles Betriebssystem iOS nur auf eigenen Geräten zu. Alle anderen Firmen werden ausgesperrt. Google stellt seine Software jedoch jedem zur Verfügung. Hinzu kommt, dass jedes Unternehmen die Software nach eigenem Belieben verändern kann, lediglich den Rahmen gibt Google vor. Dadurch haben die Gerätehersteller bei der Anpassung große Freiheiten. Das macht Android bis heute äußerst beliebt. Damit gelangte das Betriebssystem zu einem sensationellen Durchmarsch. Binnen weniger Jahre stieg der Marktanteil auf 80 Prozent. Inzwischen ist es zum populärsten Betriebssystem aller Zeiten avanciert.

Natürlich interessieren sich auch viele Cyberkriminelle dafür. Auf Sicherheitslücken kann Google jedoch nicht so schnell reagieren, wie es erforderlich wäre. Grund dafür ist skurrile Verteilerart und –weise der neuen Android-Versionen. Google veröffentlicht zuerst eine neue Android-Version. Diese stellt es dann den Herstellern zur Verfügung. Jeder Hersteller setzt aber eigene Modifikationen ein. Deshalb muss die neue Version wieder an die eigene Optik angepasst werden. Das kann aber lange dauern. Anschließend erhalten die jeweiligen Mobilfunkbetreiber die von den Herstellern angepassten Versionen. Auch die Mobilfunkbetreiber können wiederum ein paar Dinge abändern. Nach Wochen oder gar Monaten kommt endlich bei den Kunden die neue Android-Version an. Während dieser Zeit haben Kriminelle ein leichtes Spiel.

Die langwierige Prozedur einer Update-Erstellung ist jedoch nicht das größte Problem. Eine Vereinheitlichung der Android-Software ist dringend nötig. Eine Besserung ist aber kaum in Sicht, eher im Gegenteil. Viele ältere Smartphones erhalten einfach keine Updates mehr. Gerade bei Einsteiger- und Mittelklasse-Geräten sparen sich die Hersteller eine Update-Entwicklung. Oft laufen die Aktualisierungen bereits vor Ablauf der Vertragslaufzeit aus. Auf dem Markt erscheinen günstige Modelle mit schon veralteter Software. Diese erhalten nie ein Update. Um sich halbwegs sicher zu fühlen, müsste man ständig neue Geräte kaufen, einfach unverschämt.

Das ist natürlich eine große Gefahr für die Kunden: Nicht nur praktische Features, sondern auch dringend benötigte Sicherheit-Patches gehen ihnen damit verloren. Die Stagefright-Lücke wurde bereits bei über 90 Prozent der Android-Geräte festgestellt. Vermutlich wird sie bei einem Großteil nie gestopft werden.

Den desolaten Zustand des Betriebssystems erkennt man daran, wie die einzelnen Android-Versionen verteilt sind. Obwohl die aktuelle Version 5.1. bereits fünf Monate alt ist, wird es gerade einmal von 2,6 Prozent der Android-Smartphones oder –Tablets genutzt. Das entspricht jedem 40. Gerät.

Android 5.0 Lollipop wird von 15,5 Prozent der Geräte genutzt. Das heißt also, dass 4 von 5 Smartphones noch Android 4.4 oder eine noch ältere Version installiert haben. Das entspricht dem Stand vom Winter 2013. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Millionen von Geräten durch eine gefährliche Schadsoftware infiziert werden. Das dürfte die Grenzen des Google-Update-Mechanismus sprengen.

Das Beispiel Microsoft zeigt, wie man es besser machen kann. Viele Hersteller verwenden Windows als Betriebssystem. Doch bei wichtigen Software-Updates ist den Herstellern das Mitspracherecht entzogen. Microsoft versorgt jede Windows-Version mit eigenen Updates, welcher Rechner, spielt keine Rolle. Dieser Weg ist der einzig gangbare. Google muss die Hersteller endlich an die Leine nehmen oder sein Update-System gründlich renovieren.

Von: Stefan Lübker / Frei-Simser.de
Veröffentlicht am: 05.10.2015 - 18:47 Uhr
Kategorie: SMS News

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